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Das ist ja eine schöne Geschichte

Vor ca. 5.000.000.000 Jahren war die Erde wahrscheinlich eine glühende Gaswolke.

Im Laufe der nächsten vier Milliarden neunhundertneunundneunzig Millionen und dreihunderttausend Jahre kühlte dieses Gas ab und verdichtete sich zu jener Materie, die wir heute unsere Erde nennen. Im Vergleich dazu atmen die letzten 500.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung geradezu den Hauch von Frische und Jugend. In just dieser Zeit schnellte in den Erpolzheimer Auen ein Jäger den Pfeil von der Tiersehne und präsentierte seiner begeisterten Familie abends „Wildsau am Spieß“. (Damals freilich ohne ein gutes Gläschen Erpolzheimer Weins.) Zur gleichen Zeit, oder sogar etwas früher, wurde weltweit der aufrechte Gang des Menschen eingeführt, wie auch der Fund des „Zeitgenossen“ unseres Erpolzheimer Jägers, im gerade mal ca. 80 km (Luftlinie) entfernten Mauer bei Heidelberg, bezeugte: der berühmt gewordene, ca. 700.000 Jahre alte Homo erectus heidelbergensis. Der Homo erectus war laut Richard Leakey „die erste hominine Art, die das Feuer benutzte; die erste, die das Jagen als ein wesentliches Element zur Sicherung ihrer Nahrungsversorgung einsetzte; die erste, die wie ein moderner Mensch laufen konnte.“ Und vor ca. 500.000 gab es in Erpolzheim und Umgebung, quasi einen Homo erectus erpolzheimensis ...

Funde von Steinwaffen und -werkzeugen belegen, dass im Raum Erpolzheim schon zur Alt- und Mittelsteinzeit Menschen lebten: die prähistorischen Neandertaler. Einige Funde sind z. B. im Schlossmuseum im nahe gelegenen Fußgönheim zu besichtigen. (www.hkk-fussgoenheim.de)

In der Jungsteinzeit (5500-2300 v. Chr.) wurden die Menschen sesshaft und begannen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Irdenes Geschirr stellte eine Hilfe beim Kochen dar und diente der Vorratshaltung. Auch die Jungsteinzeitbauern auf dem Erpolzheimer Gebiet hatten Bedarf daran. Bekannt ist aus dieser Zeit die nach ihrer Ornamentik benannte Bandkeramik, gefunden bei der Eyersheimer Mühle. Und ein Schritt zur Metallverarbeitung ist dokumentiert durch den Fund des Kupferflachbeils aus der Glockenbecherkultur (2. Hälfte des 3. Jtsd. v. Chr.) am Erpolzheimer Bruch.

Das Beil und Keramiken kann man in Speyer im „Historischen Museum der Pfalz“ besichtigen (www.museum.speyer.de). Aber das wesentlich näher gelegene Heimatmuseum Bad Dürkheim verfügt ebenfalls über erstaunliche, bewunderungswürdige Schätze in seiner archäologischen Sammlung: www.museumsgesellschaft-bad-duerkheim.de. Dort sind auch Schüsseln, Urnen und Becken aus der Eisenzeit (Hallstattzeit 750 bis 450 v.Chr. und La-Tène-Zeit 450 v. Chr. bis Christi Geburt) zu bestaunen.

Dann kamen die Römer. Mit der Römerzeit kam auch die Schrift. Die bis dahin hier siedelnden Kelten hatten keine eigene Schrift, sondern verwendeten ggflls. die griechische, etruskische oder lateinische Schrift. Dies dokumentiert natürlich auch schon einen europaweiten Handel in dieser Zeit. Die zu dieser Zeit hier am Rhein siedelnden Stämme waren wahrscheinlich „germanisierte“ Kelten, wie z. B. die Nemeter und Vangionen und „richtige“ Germanen, wie die Triboker. 350 n. Chr. fielen die Alemannen hier ein, verwüsteten alles und wurden 401 n. Chr. ihrerseits wieder von anderen Germanen vertrieben. 

War bisher überwiegend Tauschhandel mit produzierten Gegenständen üblich, kam mit den Römern dann aber auch die Zeit, in der man Waren mit Geld bezahlte. Und so hatte ein römischer Legionär das Pech, dass seine Frau seine Gürteltasche wohl nicht richtig vernäht hatte und ihm ein Sesterz unbemerkt zu Boden fiel. Sehr zur Freude eines Erpolzheimer Bürgers, der 1975 diesen Sesterz aus der „Schiffsmünzenserie“des „Reisekaisers“ Hadrian bei der Gartenarbeit fand. Da man weiß, wann diese Währung eingesetzt wurde, lässt sich auch unschwer nachvollziehen, wann dieser Römer hier in Erpolzheim war: ca. 128 n. Chr. Wer sich gerne mal Funde ansehen möchte: Im Heimatmuseum Bad Dürkheim sind Grabbeigaben und eine eiserne Speerspitze ausgestellt.

Als Tauschieren bezeichnet man das Einhämmern edler Metalle in unedle Metalle. Auch das Einlegen von Halbedelsteinen oder farbigem Glas zählt dazu. Für die damalige Frau von Welt schuf man z. B. Rund-, Bügel- und Fingerfibeln und die Männer ließen sich Schwerter, Schilde, und was ein Mann so alles an Waffen braucht, verzieren. Diese Technik hatte eine Blüte in der Merowingerzeit (482-751 n. Chr., Frühmittelalter) und wurde auch in und um Erpolzheim betrieben. Hätten Sie das gedacht?

Nur der Vollständigkeit halber, hat nichts mit Erpolzeim zu tun: Auf die Merowinger folgten die Karolinger, westgermanische Franken, deren Herrschaftsbeginn mit dem Jahr 751 dokumentiert ist. Berühmtester König war Karl der Große („Carolus magnus“, „Charlemagne“). Schon im Paderborner Epos vom Ende des 8. Jahrhunderts wurde er zum Pater Europae („Vater Europas“) erklärt. Karl der Große bemühte sich bis ins hohe Alter vergeblich, lesen und schreiben zu lernen. Vielleicht mochte er das allgemein gesprochene „Merowingerlatein“ nicht so recht. Aber immerhin ist eine hübsche, klare Schriftart, die karolingische Minuskel, nach ihm benannt. Aus ihr entwickelten sich über die gotische Minuskel die Kleinbuchstaben der deutschen Schriften und weiter über die humanistische Minuskel die heutigen Kleinbuchstaben der lateinischen Schrift. Das kam dann um 1450 dem Mainzer Johannes Gensfleisch zum Gutenberg sehr zu statten, als er den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand. Seine Bibel setzte er damals in der „Textura“, einer gotischen Minuskel, dies ist eine so genannte “gebrochenen Schrift“. Wir verwenden hier eine „Groteskschrift“ (genauer: eine serifenlose Linearantiqua mit klassizistischem Charakter), die charakterisiert ist durch große Mittellängen und einfache Formen ohne Serifen. Das nur am Rande.

In die Karolingerzeit fällt auch die erste urkundliche Erwähnung von Erpolzheim: Im ca. 660 gegründeten Kloster Weißenburg/Elsass hatte man eine Art „Grundbuchamt“, in dem 781 „Erfholfesheim“ (Erpolzheim) als zugehörig zum Klosterbesitz eingetragen war. So haben wir heute den schriftlichen Beweis der frühen Existenz unseres Dorfes. Die Schreibweise des Dorfnamens variiert im Lauf der Geschichte, aber die 1445 gebrauchte Form „Erpelzhem“ entspricht der heute noch gebräuchlichen mundartlichen Aussprache. Das zeigt: Erpelzhem ist einfach unverwüstlich.

Die Jahre von ca. 900 bis 1250 werden dem Hochmittelalter und die von 1250 bis 1500 dem Spätmittelalter zugeordnet. Die Sprache in den Urkunden war bis ca. 1330 überwiegend lateinisch, ab dann gab es einen Trend zu deutschsprachigen Urkunden.

Apropos „glauben“, das erste Kirchlein ist im 11. Jh. errichtet worden und geht auf das Stift St. Alban (Mainz) zurück. Die Kirchengeschichte verlief entsprechend der politischen Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten. Schreckliche Zeiten, wie der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), und der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697) seien hier stellvertretend erwähnt. In dem Dreißigjährigen Krieg entluden sich sowohl die Gegensätze zwischen der Katholischen Liga mit den kaiserlichen Truppen und der Protestantischen Union innerhalb des Heiligen Römischen Reiches als auch der habsburgisch-französische Gegensatz auf europäischer Ebene. Eine Zeit mit Gräueltaten vor religiösem Hintergrund.

Nicht unerwähnt bleiben sollen natürlich auch die beiden letzten Weltkriege. Auch aus Erpolzheim sind zahlreiche Männer „auf dem Felde der Ehre“ gefallen, gelten als vermisst oder kamen verwundet nach Hause. Und wenn man über die Landesgrenze nach Frankreich hinüberfährt, sieht man ähnliche Denkmäler für die Gefallenen. Gut, dass es jetzt schon seit 68 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat und wir ein freundschaftliches Verhältnis mit unseren französischen Nachbarn pflegen.

Unter dem damaligen Bürgermeister Kurt Beck (nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten) wurde 1974 ein Jahrhundertwerk in Erpolzheim in Angriff genommen. Das damals ca. 850-Seelen-Dorf sollte eine Kanalisation erhalten. Um öffentliche Zuschüsse zu erhalten, musste das Dorf wachsen und deshalb wurde das Baugebiet „Südlicher Ortsteil“ ausgewiesen. Aber um die Finanzierung stemmen zu können, mussten noch mehr Mittel her. Also entschloss sich der Gemeinderat den gemeindeeigenen Wald zu verkaufen. Emotional eine sehr, sehr schwere Entscheidung, aber das einzige Mittel, um dem anvisierten Ziel, ein zeitgemäß modernes Dorf zu werden, näher zu kommen. Leider wurde dabei auch das Kopfsteinpflaster in der Haupt- und Bahnhofstraße gegen eine Asphaltdecke ausgetauscht. Fahrgeräusche sind natürlich leiser geworden, außer, man fährt mit höherer Geschwindigkeit und quietschenden Reifen durch die Kurven. Höhere Geschwindigkeiten haben sich damals auf dem Kopfsteinpflaster von allein verboten. Aber das Ziel wurde erreicht und Erpolzheim präsentiert sich heute als ein schmuckes, modernes Dorf, das gestressten Mitarbeitern der Industrien des Rhein-Neckar-Dreiecks Heimat und Entspannung bietet.

Um diesen Menschen Raum zu geben, wurden noch weitere Baugebiete, wie „An der Obermühle“ und „Nord“ erschlossen. Heute hat Erpolzheim ca. 1350 Einwohner, das heißt, seit der ersten Nennung hat sich das Dorf pro Jahr um etwa einen Einwohner vermehrt …

Das Gemeindewappen geht auf die frühere Zugehörigkeit zur Grafschaft Leiningen zurück. Die Wappenbeschreibung lautet: „Von Blau und Silber gespalten, rechts ein halber rotbewehrter silberner Adler am Spalt, links eine aufgerichtete blaue Weintraube mit grünen Blättern“. Sie meinen, das sei falsch, es müsse anders herum lauten? Für Personen, die nicht mit der Heraldik vertraut sind, sind die Angaben links und rechts in heraldischen Beschreibungen oft verwirrend, denn „heraldisch rechts“ ist die vom Betrachter aus linke Seite (manchmal auch als vorn benannt). Entsprechend ist „links“ oder hinten die rechte Seite eines Wappens.

Diese Seitenbezeichnung leitet sich noch aus der Zeit her, als das Wappen auf dem Schild im Kampf oder Turnier getragen wurde. Sie bezieht sich deswegen immer auf den Schildträger (das ist der hinter dem Schild Stehende) und nicht auf den Betrachter. Da der Schild normalerweise mit dem linken Arm getragen wurde, ist die vom Träger aus gesehen linke Seite beim ausgestreckten Arm hinten, und die rechte zeigt nach vorne.

So, das war ein Ausflug in die Erpolzheimer Geschichte. Eine tabellarische Übersicht, ebenfalls mit zahlreichen Details über die Zeit und wie Erpolzheim da eingebunden war, finden Sie im Anhang. Eine spannende Lektüre. Viel Vergnügen!

Quellen: Erpolzheim, Lebensbild eines Dorfes, Band 1; Wikipedia, diverse Quellen. (Zusammengestellt von Dietmar H. Schramm)

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